Jesus, im Islam als Isa bekannt, nimmt eine herausragende Stellung als einer der bedeutendsten Propheten ein. Seine Rolle und seine Botschaft werden im Quran ausführlich gewürdigt und respektiert. Im Judentum wird Jesus als der Messias abgelehnt. Dies steht im krassen Gegensatz zum Christentum, wo er als Gottheit oder als Sohn Gottes verehrt wird. Der Islam nimmt den Mittelweg ein und erkennt Jesus als ehrbaren Propheten und Gesandten Allahs (Gottes) sowie als den Messias an. Doch Muslime beten ihn nicht an, denn Anbetung gebührt allein Allah (Gott), der Jesus und alles, was existiert, erschaffen hat.
„(Jesus) sagte: Ich bin wahrlich Allahs (Gottes) Diener. Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht.“ (Quran 19:30)
Einige Christen behaupten, dass „Jesus Gott ist“ oder Teil einer Dreifaltigkeit – dass er die Inkarnation Gottes auf Erden ist und dass Gott menschliche Gestalt angenommen hat. Laut der Bibel wurde Jesus jedoch geboren, aß, schlief, betete und hatte begrenztes Wissen – alles Eigenschaften, die Gott nicht geziemen. Allah (Gott) besitzt Eigenschaften der Vollkommenheit, während der Mensch Defizite hat. Wie kann etwas gleichzeitig zwei völlig gegensätzliche Eigenschaften besitzen?
Der Islam lehrt, dass Allah (Gott) immer vollkommen ist. Zu glauben, dass Allah (Gott) ein Mensch wurde, bedeutet, zu behaupten, dass Allah (Gott) zu irgendeinem Zeitpunkt unvollkommen war. Ein Christ muss sich fragen: Kann die Vorstellung von einem Gott, der einst ein schwaches, hilfloses Kind war und ohne Nahrung, Trinken oder Schlaf nicht überleben konnte, derselbe allmächtige Gott sein, der im Alten Testament beschrieben wird? Sicherlich nicht.
Man könnte fragen: „Wenn Allah (Gott) alles tun kann, warum kann er dann nicht ein Mensch werden?“ Per Definition tut Allah (Gott) keine ungöttlichen Taten. Allah (Gott) tut nichts, was Ihn zu etwas anderem als Allah (Gott) machen würde. Wenn Allah (Gott) Mensch würde und menschliche Eigenschaften annähme, wäre er notwendigerweise somit nicht länger Allah (Gott).
Einige mehrdeutige Verse der Bibel können fälschlicherweise so ausgelegt werden, dass Jesus in gewisser Weise göttlich ist. Wenn wir jedoch die klaren, direkten Verse der Bibel betrachten, sehen wir immer wieder, dass Jesus als außergewöhnlicher Mensch und nicht mehr dargestellt wird. Die Bibel enthält viele Verse, in denen Jesus spricht und handelt, als ob Allah (Gott) ein von ihm getrenntes Wesen ist. Zum Beispiel:
Jesus "fiel auf sein Angesicht und betete." (Matthäus 26:39) Wenn Jesus Gott wäre, würde ein Gott dann auf sein Angesicht fallen und beten? Und zu wem würde er beten?
Die Bibel nennt Jesus einen Propheten (Matthäus 21:10-11). Wie könnte Jesus gleichzeitig Gott und Gottes Prophet sein?
Jesus sagte: "Ich gehe zum Vater, denn der Vater ist größer als ich." (Johannes 14:28)
Jesus sagte: "Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott." (Johannes 20:17) Wenn Jesus Gott wäre, warum würde er dann sagen "zu meinem Gott und eurem Gott", und zu wem würde er auffahren?
Wenn Jesus Gott gewesen wäre, hätte er den Menschen klar gesagt, dass sie ihn anbeten sollen. Dann gäbe es eindeutige Verse in der Bibel, die dies bestätigen. Doch er tat das Gegenteil und missbilligte es, dass ihn jemand anbetete. Er sagte: „Vergeblich aber verehren sie mich.“ (Matthäus 15:9)
Einige Christen behaupten, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Was bedeutet das eigentlich? Sicherlich ist Allah (Gott) weit davon entfernt, einen physischen und wörtlichen Sohn zu haben. Menschen haben menschliche Kinder. Katzen haben Kätzchen. Was bedeutet es also, dass Allah (Gott) ein Kind hat?
Anstatt wörtlich genommen zu werden, wird der Begriff "Sohn Gottes" in den frühesten biblischen Sprachen symbolisch für einen "gerechten Menschen" verwendet und wurde für David, Salomo und Israel benutzt – nicht ausschließlich für Jesus: „...Israel ist mein erstgeborener Sohn“ (Exodus 4:22). Tatsächlich wird jeder, der gerecht ist, als Gottes 'Sohn' bezeichnet: „Alle, die vom Geist Gottes geleitet werden, sind Söhne und Töchter Gottes.“ (Römer 8:14)
„Es steht Allah (Gott) nicht an, Sich ein Kind zu nehmen. Preis sei Ihm! Wenn Er eine Angelegenheit bestimmt, so sagt Er dazu nur: ,Sei!', und so ist es.“ (Quran 19:35)
In gleicher Weise sollte das Wort „Vater“, wenn es sich auf Gott bezieht, nicht wörtlich genommen werden. Stattdessen ist es eine Art zu sagen, dass Gott der Schöpfer, Erhalter und oberste Herrscher über alles ist. Es gibt viele Verse, die uns helfen, diese symbolische Bedeutung des Wortes „Vater“ zu verstehen, zum Beispiel: „Ein Gott und Vater aller.“ (Epheser 4:6)
Jesus wurde von den Jüngern manchmal als „Herr“ bezeichnet. Dieser Begriff wird in den ursprünglichen Sprachen der Bibel sowohl für Gott als auch für Menschen verwendet, die in hohem Ansehen stehen. Zum Beispiel wird im griechischen Neuen Testament der Begriff "kyrios" sowohl für „Herr“ als auch für den Besitzer des Weinbergs (Matthäus 20:8) und den Meister, der den ungehorsamen Diener schlug (Lukas 20:42-47), verwendet.
In anderen Teilen der Bibel wird Jesus sogar von den Jüngern als „Diener“ Gottes bezeichnet:
„Der Gott unserer Väter hat seinen Diener Jesus verherrlicht.“ (Apostelgeschichte 3:13) Dies zeigt deutlich, dass „Herr“, wenn es sich auf Jesus bezieht, ein Titel des Respekts und nicht der Göttlichkeit ist.
Es werden Versuche unternommen, die Komplexität der oben genannten Fragen zur Natur Allahs (Gottes) und zur Natur Jesus seitens christlicher Mitmenschen zu erklären, was oft verwirrend oder unbefriedigend sein kann. Der wesentliche Punkt zum Nachdenken ist jedoch: Warum sollte Allah (Gott) es so schwer verständlich machen? Wie vergleichen sich diese komplizierten Lehren mit den einfachen, klaren und reinen Lehren des Gottesbegriffs im Islam?
Laut dem Quran wurde der Engel Gabriel in der Gestalt eines Mannes zu Maria, der edlen Jungfrau, gesandt und informierte sie über ein Kind, das ohne Vater auf wundersame Weise geboren werden sollte.
„Er (Engel Gabriel) sprach: ‚Ich bin nur ein Gesandter deines Herrn, um dir einen rechtschaffenen Sohn zu verkünden.‘ Sie sagte: ‚Wie soll ich einen Sohn bekommen, wo mich doch kein Mann berührt hat und ich nicht unkeusch bin?‘ Er sprach: ‚So ist es. Dein Herr sagt: ‚Es ist mir leicht, und Wir werden ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Und es ist eine beschlossene Sache.‘“ (Quran 19:19-21)
Einige behaupten, dass seine wunderbare Geburt ein Beweis für Jesus Göttlichkeit sei. Allerdings war Jesus nicht der Erste, der ohne Vater ins Dasein kam, denn der Prophet Adam (Friede sei mit ihm) hatte weder Vater noch Mutter. Allah sagt:
„Das Gleichnis Jesus vor Allah (Gott) ist wie das von Adam; Er schuf ihn (Adam) aus Staub und sagte dann zu ihm: ‚Sei‘, und er war. Dies ist die Wahrheit von deinem Herrn, so sei nicht einer der Zweifler.“ (Quran 3:59-60)
Wenn Jesus aufgrund der Tatsache, dass er keinen Vater hatte, angebetet wird, dann hätte Adam noch mehr Anbetung verdient, da er ohne Vater und Mutter erschaffen wurde.
Jesus wurde auf wundersame Weise ohne Vater gezeugt und vollbrachte auch große Wunder durch den Willen und die Erlaubnis Allahs/Gottes. Er sprach als Baby in der Wiege, um seine Mutter gegen die Vorwürfe der Leute, sie habe Unzucht begangen, zu verteidigen. Der Quran berichtet auch, dass Jesus Tote zum Leben erweckte sowie Lebrakranke und Blinde heilte – alles durch den Willen Allahs/Gottes.
Die Tatsache, dass Jesus (Friede sei mit ihm) Wunder vollbrachte, bedeutet nicht, dass er mehr als ein demütiger Diener Allahs (Gottes) war. Tatsächlich vollbrachten viele Gesandte Wunder, einschließlich Noah, Moses und Mohammed (Friede sei mit ihnen allen). Diese Wunder geschahen nur mit der Erlaubnis Allahs (Gottes), um die Authentizität des Gesandten zu demonstrieren.
Jesus ist eine Persönlichkeit, die von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt geliebt und verehrt wird. Jedoch gibt es viel Verwirrung über den Status dieser bedeutenden Person. Sowohl Muslime als auch Christen schätzen Jesus hoch, aber sie sehen Ihn auf sehr unterschiedliche Weise. Diese Artikel soll die Fragen rund um Jesus klären: War Jesus Gott oder wurde Er von Gott gesandt? Wer war der wahre historische Jesus?
Jesus war ein ehrenwerter Prophet, der von Allah (Gott) gesandt wurde, um zur Anbetung Allahs (Gottes) allein aufzurufen. Dies ist in der Bibel ersichtlich und wird durch den Quran bestätigt. Der islamische Glaube an Jesus erklärt, wer der wahre Jesus war, und bewahrt dabei den reinen Glauben an Allah (Gott) sowie Seine vollständige Größe, Einzigartigkeit und Vollkommenheit.
Wir laden dich ein, sich näher mit dem Islam zu befassen und ihn zu erkunden. Es ist nicht nur eine weitere Religion, sondern die gleiche Botschaft, die Noah, Abraham, Moses, Jesus und Mohammed – Friede sei mit ihnen allen – verkündet haben. Islam bedeutet kurz„Gottergebung“. Es ist eine natürliche und umfassende Lebensweise, die dazu ermutigt, der Beziehung zu Allah (Gott) und seiner Schöpfung die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.
Der Islam lehrt, dass Allah (Gott) der Allgerechte und Allbarmherzige ist und sich nicht selbst opfern muss, um Sünden zu vergeben. Niemand ist „in Sünde geboren“. Allah (Gott) richtet jeden nach seinen eigenen Taten. Jeder Mensch ist für seine eigenen Handlungen verantwortlich.
Der Islam lehrt uns, alle Propheten Allahs (Gottes) zu lieben und zu respektieren. Sie zu lieben und zu respektieren bedeutet jedoch nicht, sie anzubeten, da Anbetung nur Allah (Gott) zusteht. Jesus als Propheten Allahs (Gottes) anzuerkennen und Muslim zu werden, bedeutet nicht, seine christliche Identität zu ändern oder zu verlieren. Es geht darum, zu den ursprünglichen und reinen Lehren von Jesus zurückzukehren.
Die Propheten des Alten Testaments, wie Abraham, Noah und Jona, predigten nie, dass Allah (Gott) Teil einer Dreifaltigkeit ist. Sie glaubten auch nicht an Jesus als ihren Retter. Ihre Botschaft war einfach: Es gibt nur einen Allah (Gott), und nur er verdient deine Anbetung. Es ist nicht logisch, dass Allah (Gott) über Tausende von Jahren Propheten mit derselben wesentlichen Botschaft sendet, nur um sie plötzlich zu ändern und zu behaupten, dass er nun Teil einer Dreifaltigkeit ist. Ebenso wenig ist es logisch, den Glauben an die Göttlichkeit von Jesus zur Bedingung für die Errettung zu machen.
Die Wahrheit ist, dass Jesus dieselbe Botschaft predigte wie alle Propheten im Alten Testament. Es gibt eine Passage in der Bibel, die diese Kernbotschaft wirklich betont. Ein Mann kam zu Jesus und fragte:
„Welches ist das wichtigste Gebot von allen?“ Jesus antwortete: „Das wichtigste Gebot ist: ‚Höre, Israel, der Herr, unser Gott, der Herr ist eins.‘“ (Markus 12:28-29).
Das größte Gebot und der wichtigste Glaube laut Jesus ist also, dass Gott eins ist. Wenn Jesus Gott gewesen wäre, hätte er gesagt: „Ich bin Gott, betet mich an.“ Stattdessen wiederholte er lediglich einen Vers aus dem Alten Testament und bestätigte, dass Gott eins ist.
Das stimmt mit der Mission von Jesus überein, wie sie im Islam gelehrt wird. Jesus wurde zu den Kindern Israels gesandt, um die Botschaft der vergangenen Propheten zu bestätigen: den Glauben an den Einen Wahren Allah (Gott).
„Und als Jesus mit klaren Beweisen kam, sagte er: ‚… Wahrlich, Allah (Gott) – Er ist mein Herr und euer Herr. So betet Ihn allein an. Dies ist der einzige gerade Weg.‘“ (Quran 43:63-64)
Als ehrbarer und gehorsamer Gesandter Allahs (Gottes) unterwarf sich Jesus freiwillig den Geboten Allahs (Gottes). Daher war er ein „Muslim“ – ein Begriff, der sich auf jeden bezieht, der sich dem Willen und den Geboten Allahs (Gottes) unterwirft, ein Gottergebener.